Mythos Schwan

Schwanengesang, Schwanenkönig, Schwanenservice, Schwanensee – der „Mythos Schwan“ ist in unserer Kultur allgegenwärtig. Mit Graupa und den dort ansässigen Richard-Wagner-Stätten ist er besonders eng verbunden, weil Wagner in einem Graupaer Bauernhaus die Musik zu seiner Oper über den Schwanenritter Lohengrin skizzierte.

 

Ein Schwan bringt darin den geheimnisvollen Ritter aus unbekannter Ferne herbei und holt ihn auf ebenso mysteriöse Weise wieder ab. Der Zauber der Oper haftet wesentlich an der Aura des weißschillernden Vogels. Seine Faszination war so mächtig, dass ihn die Gemeinde Graupa sogar zu ihrem Wappenvogel wählte.

 

Am Donnerstag, den 22. April 2021 wird die neue Sonderausstellung im Jagdschloss mit einer Online-Vernissage eröffnet. Um 19:00 Uhr kann man auf der Internetseite dem Grußwort von Christian Schmidt-Doll, Geschäftsführer der Kultur- und Tourismusgesellschaft, lauschen. Anschließend führt der wissenschaftliche Mitarbeiter Dr. Wolfgang Mende virtuell durch die besondere Ausstellung.

 

Der Schwan spielt bei Richard Wagner jedoch nicht nur im „Lohengrin“ eine wichtige Rolle, sondern an überraschend vielen Stellen seines Gesamtwerks. Wenig bekannt ist, dass Wagner eine zweite Schwanenoper konzipierte: „Wieland der Schmied“. Der kunstfertige Schmied Wieland verliebt sich in eine Schwanenjungfrau.

 

Mit künstlichen Schwanenflügeln befreit sich aus der Knechtschaft eines despotischen Königs. Der Schwan wird zum Symbol der Freiheit, vielleicht sogar der Revolution. Eine ganz andere Rolle spielt der Schwan in Wagners Musikdrama, dem Bühnenweihfestspiel „Parsifal“. Der ritterliche Held erschießt in naiver Arglosigkeit einen Schwan und löst damit einen Skandal aus. Wagner hat mit dieser Episode seine vom Buddhismus inspirierten Vorstellungen von Tierwohl und Tierschutz auf die Bühne gebracht.

 

Von Wagners Schwanenfaszination wurde auch sein Umfeld angesteckt. Legendär ist der Schwanenkult des Bayernkönigs Ludwig II. Weniger bekannt ist, dass auch Wagners Sohn Siegfried drei Opern mit Schwanenmotiven geschrieben hat.

 

Die Sonderausstellung zeigt nicht nur die vielen Spuren des Schwanenmotivs bei Richard Wagner und seinem Umfeld. Sie leuchtet die kulturgeschichtlichen Tiefen der Schwanenmythen aus. Dabei geht sie auf deren Ursprung zurück, die Naturbeobachtung. Die verschiedenen Schwanenmythen aus der antiken und germanischen Mythologie werden anhand zahlreicher Bilder und Objekte präsentiert. Immer wieder kann man versteckte Spuren zum Leben und Werk Wagners entdecken.

 

So erfährt man, warum auch die Walküren, die Rheintöchter und die Nornen einiges mit Schwänen zu tun haben und warum die Flügel der typischen Bayreuther Germanenhelme oft an Schwanenflügel erinnern. Zu sehen sind kostbare originale Kunstwerke wie ein erotischer Schwanenteller aus der italienischen Renaissance, eine Lohengrin-Skulptur von Ernst Moritz Hähnel und eine symbolistische Schwanengrafik von Max Klinger. Natürlich gibt es auch einiges zu hören, denn es existiert eine ganze Reihe faszinierender Schwanenkompositionen, nicht nur von Wagner.

 

Von letzterem ist eine Rarität zu erleben – der aus der endgültigen Fassung des „Lohengrin“ gestrichene Gesang des Schwans, der bisher nie eingespielt wurde.



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